Foto von Kai Thäsler, Chef des FAW

FAW-Chef Thäsler: „Alarmzeichen für die Gesellschaft“

Initiativen wie „Berlin Werbefrei“ und „Hamburg Werbefrei“ machen derzeit Stimmung gegen die Außenwerbung. Was ist nun zu tun? Eine Einschätzung von FAW-Geschäftsführer Kai-Marcus Thäsler (Foto).

Kai, Initiativen wie „Berlin Werbefrei“ oder Hamburg Werbefrei“ machen gerade Schlagzeilen, sie wollen Außenwerbung – speziell die digitale – aus den Städten verbannen. Dreht sich die gesellschaftliche Stimmung gerade gegen die Außen­werbung?

Kai Thäsler: Das Thema wird aktuell von bestimmten Interessengruppen forciert: Sie eint – vorsichtig formuliert – eine insgesamt konsumkritische Haltung. Das sind zweifellos Minderheiten, doch ihr Nährboden ist reichhaltig. Die gesamte gesellschaftliche Grundstimmung ist in Deutschland ja gerade durch eine große Konsumskepsis gekennzeichnet. Sehr schade.

Minderheiten, die allerdings eine große mediale Resonanz erzeugen. Tageszeitungen, Radio, Fernsehen berichten über die Initiativen. Kann die Branche das ignorieren?

Thäsler: Auf keinen Fall! Wir müssen die Wertigkeit der kommerziellen Kommunikation wieder stärker herausstellen. Werbung treibt die Wirtschaft und die Gesellschaft. Sie erhält und fördert Arbeitsplätze. Gleichwohl müssen wir die Berichterstattung darüber aus meiner Sicht auch immer im Kontext des intermedialen Wettstreits um Werbegelder sehen. Sie, die Berichterstattung über derartige Initiativen, schwächt tendenziell die Außenwerbung und stärkt im Gegenzug das Medium, in dem darüber berichtet wurde.

Was gibt es für den FAW zu tun?

Thäsler: Wir müssen die Vorzeichen der Diskussion umkehren: Außenwerbung ist integraler Bestandteil der städtischen Infrastruktur, sie ist das flackernde Lagerfeuer des städtischen Lebens.

Was meinst Du damit konkret?

Thäsler: Der Nutzen der Außenwerbung für die Städte findet auf zwei Ebenen satt: Zum einen garantieren wir ihnen Einnahmen und tragen damit unmittelbar zu einer funktionierenden Infrastruktur bei. Zum anderen liefern wir auch inhaltlich einen echten Mehrwert. Kulturelle Veranstaltungen wie Live-Konzerte, Kinofilme, Zirkusvorführungen – all das wird ja über die Außenwerbung erst bekannt. Von Katastrophenwarnsystemen per DOOH ganz zu schweigen. Das müssen wir stärker herausstellen.

Ist eine Debatte darüber mit den Werbegegnern Deiner Meinung nach überhaupt möglich?

Thäsler: Ehrlich gesagt, ich fürchte nein. Es ist eine ideologisch verhärtete Debatte, die hier von Anfang an initiiert wurde. Sachargumente kommen im Moment kaum durch. Aber wir haben die Möglichkeit, in Gesprächen mit Medien und allgemein mit Multiplikatoren unseren Standpunkt klarzumachen. Das wird insgesamt zu einem deutlich differenzierteren Bild führen.

Ist Euer Slogan „Außenwerbung trifft jeden“ vor dem Hintergrund der Debatte noch zeitgemäß?

Thäsler: Warum denn nicht?

Weil offenkundig viele selbst bestimmen wollen, von wem sie „getroffen“ werden wollen und von wem nicht.

Thäsler: Die Debatte führt ins Leere. Der öffentliche Raum gehört allen. Wo anfangen, wo aufhören? Sollen Hotels künftig ihren Schriftzug abmontieren, wenn sich Einzelne davon gestört fühlen? Es ist ein Alarmzeichen für eine Gesellschaft, wenn Kommunikation, auch die kommerzielle, im öffentlichen Raum verboten werden soll.

Ein zentraler Punkt in der Debatte ist der Energieverbrauch der DOOH-Anlagen …

Thäsler: Auch das: eine völlig verzerrte Darstellung. Die Hersteller und Betreiber der Anlagen haben den Stromverbrauch in den vergangenen Jahren deutlich reduziert, nutzen Ökostrom und arbeiten beständig daran, die Energieeffizienz deutlich zu steigern. Schon jetzt ist DOOH – wie OOH insgesamt – das umweltfreundlichste Medium, wenn man etwa den CO2-Verbrauch als Parameter nimmt. Eine Studie von Climate Partner mit Mediaplus hat gezeigt, dass DOOH 3 bis 15 g CO2 verbraucht, um 1000 Kontakte zu erreichen. Beim Fernsehen liegt der Vergleichswert bei 3.898 g CO2, bei Tageszeitungen sogar bei 9.983 g CO2.

Was also ist zu tun, wenn DOOH-Anbieter mit derart verfälschten Fakten konfrontiert werden?

Thäsler: Wir, der FAW, arbeiten hier Hand in Hand mit dem IDOOH. Das betrifft insbesondere den Informationsaustausch und das Wording. Dieser enge Schulterschluss garantiert eine einheitliche Kommunikation nach außen. Gemeinsam vertreten wir damit übergreifend die Interessen der OOH- und der DOOH-Anbieter.

Siehe auch:
Interview mit IDOOH-Geschäftsführer Frank Goldberg: “Mit Fakten gegen eine verzerrte Ideologie”