Nadja Parpart: Nachhaltigkeit als Leitstern des Handelns

Der Titel kann zwar nur einmal vergeben werden. Doch auch wer es beim Green CMO-Award, den die Fachzeitschrift W&V Werben und Verkaufen in diesem Jahr gemeinsam mit dem IDOOH ins Leben gerufen hat, in die Endauswahl schafft, hat im Sinne der Nachhaltigkeit viel erreicht. Als “grünste” Marketingfrau des Landes wurde Nadja Parpart von JobRad in die Top 3 des Awards gewählt – Mr. Media und Jury-Mitglied Thomas Koch hat sich daher nochmal intensiver mit ihr unterhalten.

Es war ein denkwürdiger Tag, als am 15. September 17 Personen zusammenkamen, um die oder den „Green CMO of the Year“ zu küren. Denkwürdig, weil es zum ersten Mal geschah. Denkwürdig auch, weil es diese Jury aus Kreation, Media, Marken-Strategie sowie Lehre und Forschung in solcher Zusammensetzung nie zuvor gegeben hatte. Und besonders denkwürdig ob des Ergebnisses.

Die Jury begab sich auf die Suche nach Marketingmenschen, die nachhaltige Transformation voranbringen. Vordenker, die ihr Umfeld inspirieren, sich für nachhaltige Werbestrategien engagieren, einen disruptiven Ansatz verfolgen und Verantwortung übernehmen. Und die Jury wurde fündig. Einfach war es nicht. Jede:r der Nominierten stand für etwas Besonderes, aber für schwer Vergleichbares. Manche bewegten mit viel Aufwand ein wenig in Konzernen mit etablierten Strukturen, andere viel in flexiblen Start-Ups. Wie sollte man das miteinander vergleichen? Doch die Balance, der Drahtseilakt gelang. Den Preisträger Julius Palm von followfood haben wir hier bereits porträtiert. Doch auch die beiden anderen Top-3-Platzierten haben eine gesonderte Würdigung verdient – gerade weil die Wahl am Ende so knapp war. Daher baten wir Mr. Media Thomas Koch, der Teil der Green-CMO-Jury ist, uns als nächste Nadja Parpart von JobRad vorzustellen.

Nachhaltigkeit als Leitstern des Handelns

Nadja Parpart zählt als einzige Frau zu den drei Menschen, die die Jury aus der 10-köpfigen Shortlist an die Spitze der Ausgezeichneten herausgehoben hat. Sie ist seit drei Jahren Division Head Marke & Kommunikation bei JobRad in Freiburg, wo das Dienstrad-Leasing erfunden wurde. Damit ist Nadja verantwortlich für die analoge und digitale Marktkommunikation und lenkt dabei insgesamt neun Teams, von Marken-Management über Digitalmarketing bis PR.

Thomas Koch: Nadja, was bedeutet dir die Nominierung zum Green CMO of the Year?
Nadja Parpart: Die Nachricht von der Nominierung hat mich sehr gefreut, weil der “Green CMO” als Persönlichkeit beschrieben wurde, die Veränderung auf den Weg bringt. Als Bereichsleiterin für Marke & Kommunikation bei JobRad verstehe ich das als Kern meiner Führungsverantwortung. Was bedeutet Nachhaltigkeit für unsere Markenführung, und wie leben wir sie in unserer Kommunikationsarbeit? Mit diesen Fragen haben wir uns im Team im letzten Jahr intensiv auseinandergesetzt und sie zum Leitstern unseres Handelns gemacht. Mit der Nominierung fühle ich mich auf diesem Kurs bestätigt.

Koch: Wo steht das ‘Green Marketing’ heute?
Parpart: Kein Zweifel: Die Debatte um die CO2-Emissionen von Kommunikationskanälen ist da. Ich finde es ermutigend zu sehen, wie viele neue Ideen und Lösungsansätze auf diesem Feld entstehen. Gleichzeitig ist dies aber nur ein Aspekt der Nachhaltigkeit in der Kommunikation. Die Kommunikationsbranche steht vor einem Paradigmenwechsel, bei dem die Wertegrundlagen der Kommunikation neu verhandelt werden müssen. Wie begegnen wir den Menschen, mit welchen Mitteln werben wir um welche Themen und wie verhalten wir uns im Verdrängungswettbewerb um Aufmerksamkeit? Hier sind viele schwierige Fragen angesprochen, um die wir uns kümmern müssen. Dazu braucht die Debatte noch mehr Tiefe.

Koch: Hatte diese Debatte auch Auswirkungen auf eure aktuelle Kampagne?
Parpart: Bei der Entwicklung unserer Kampagne haben wir erstmals DOOH eingesetzt – im Wissen, dass es sich um das Emissions-ärmste und somit umweltfreundlichste aller Medien handelt. Dank DOOH stieg unsere Reichweite um 23 Prozentpunkte und unsere Markenbekanntheit in der Folge um 19 Prozent. Um eine vergleichbare Wirkung mithilfe anderer Medien zu erzielen, hätten wir einen deutlich höheren CO2-Ausstoß verursacht

Koch: Was bedeutet Nachhaltigkeit für JobRad?
Parpart: JobRad ist als Unternehmen mit dem Anspruch angetreten, mehr Menschen aufs Rad zu bringen und zu einer Veränderung des Mobilitätsverhaltens anzuregen. Die Werteorientierung ist in der DNA des Unternehmens angelegt. Alle Unternehmensbereiche arbeiten daran, dies in die Umsetzung zu bringen und Nachhaltigkeit in der Tiefe unserer Prozesse und unseres Geschäftsmodells zu verankern. Dazu eine ganz aktuelle Nachricht: JobRad hat 2023 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie „Zweiräder“ gewonnen! Das zeigt uns, dass wir als Unternehmen auf einem guten Weg sind. Und ich freue mich darauf, weiter daran mitzuwirken.

Die Green CMO Of The Year-Jury hat also ganze Arbeit geleistet. Nadja Parpart ist ein Beispiel für Authentizität und Leidenschaft, wie es für modernes Marketing beispielhaft sein muss. Sie ist damit auch ein Vorbild, wenngleich bescheidener als wir es von manchen anderen Protagonisten im Marketing gewohnt sind. Das macht sie besonders sympathisch. Nachhaltig sympathisch.

Lesen Sie hier in Kürze auch das Porträt von Christian Göbel, Group Director Customer Interaction bei Aldi Süd.