Bild zeigt eine Großstadt-Tankstelle der Zukunft

Tankstelle der Zukunft: Viel Potenzial für DOOH

Die Tankstellen arbeiten intensiv an Zukunftskonzepten, in denen es längst um mehr geht als den Verkauf von Sprit oder Strom (Foto oben: Aral AG). Sie sollen Mobility Hubs werden – mit vielen digitalen Screens.

Rund 2.400 Tankstellen hat die Marke Aral in Deutschland. Und überall geht es um mehr als das Geschäft mit der Zapfsäule. „Im Laufe der Jahrzehnte haben sich unsere Tankstellen zu einem One-Stop-Shopping-Ort entwickelt“ erklärte kürzlich Philipp Traeder, Head of Marketing Aral. Neben Kraftstoffen und dem Aufladen biete die Tanke frische Produkte und Lebensmittel aus dem Rewe To Go-Angebot. Entsprechend änderte Aral Anfang Oktober auch die Ausrichtung seiner Marke. Der ikonische Markenclaim „Alles easy“ wurde in den neuen Spots durch „Alles supereasy“ substituiert.

Das Beispiel zeigt, wie intensiv sich die Tankstellen mit ihrer Zukunft auseinandersetzen. Denn am Spritverkauf lässt sich kaum noch etwas verdienen, zudem geht der Benzin-Absatz kontinuierlich zurück. Gleichzeitig droht das Ende der Verbrenner, weshalb viele in das Geschäft mit den E-Ladesäulen einsteigen. Das Problem ist nur: Am Strom lässt sich noch weniger verdienen, zudem bieten Kommunen, Shopping-Malls und Verbrauchermärkte diesen Service ebenfalls an.

Die Tankstelle der Zukunft muss deshalb viel mehr als serviceorientiertes Mobilitätszentrum gesehen werden, wie es in einer Studie formuliert wurde, die Aral gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) durchführte und die Prognosen für das Mobilitätsverhalten im Jahr 2040 aufstellt. Der Treibstoff wird hier eher zur Nebensache. Zum zukünftigen Angebotsspektrum zählen ultraschnelle Ladesäulen, die Wartung von autonomen Flotten, ein Landeplatz für Lufttaxis sowie Akkuwechselstationen für E-Bikes und E-Scooter. Tankstellen könnten auch Meetingräume für Geschäftsleute bieten, Paketverteilzentren sein, kleinere Servicearbeiten und Übernachtungsgelegenheiten (Trucker Cubes) offerieren. Dass die Tankstellen auch künftig Bistros beherbergen und Lebensmittel verkaufen, ist ohnehin selbstverständlich.

Bedeutung für eine funktionierende Infrastruktur wächst

Tankstellen könnten also ihre Bedeutung für eine funktionierende Infrastruktur aufwerten. Damit seien sie auch weiterhin für DOOH attraktive Standorte, so ein Sprecher von Tank & Rast. Das Unternehmen besitzt die Konzession für beinahe alle Autobahnraststätten und deren Tankstellen und verfügt dort über ein reichweitenstarkes DOOH-Netz. Entlang der Autobahn sind inzwischen an 370 Standorten digitale Screens installiert, hinzu kommen 360 Sanifair Sanitäranlagen mit digitalen Spiegeln. Auch TotalEnergies verweist darauf, dass die Zukunft der Tanke gerade erst begonnen hat. „Tankstellen befinden sich im Wandel zu einem Mix aus Convenience Store und Mobility Hub“, sagt Claudia Zayer, Managing Director Goldbach DOOH. „Sie werden immer mehr zu einem Anlaufpunkt für Menschen, die sich unterwegs mit dem Nötigsten versorgen oder von den langen Öffnungszeiten und kurzen Wegen profitieren.“

Im Verkaufsraum einer Total Tankstelle
Foto: TotalEnergies

Goldbach hatte sich erst im Mai die Vermarktung des TotalEnergies Tankstellen Media Networks in Deutschland gesichert. In der Regel steht ein Screen am Eingang, ein weiterer an der Kasse und ein dritter am Ausgang. „Unser Mobility Channel ist so aufgebaut, dass wir die Kunden auf dem Weg durch die Tankstelle begleiten und mehrere Kontakte mit dem Werbemittel sicherstellen“, so Zayer. Bis Jahresende soll das Netz auf 350 Tankstellen wachsen, in den Folgejahren sollen es 800 werden. Der Aufbau erfolgt über die Store Makers von Umdasch.

Auch die Tankstellenmarke Shell holte sich für die Vermarktung ihres digitalen Portfolios kürzlich professionelle Unterstützung, da sich ISM Intelligent Signage for Media, die sich bislang um die Vermarktung kümmerte, wieder auf den Aufbau neuer Netze inklusive Projektsteuerung und Betrieb konzentrieren wollte. Die Media Impact-Tochter Framen hat jetzt die Vermarktung des Display-Netzwerks inne, das bundesweit 850 großformatige Screens umfasst. Um eine programmatische DOOH-Vermarktung zu ermöglichen, wurde das Tankstellen-Netzwerk mit der Plattform von Framen.com verbunden. Das Angebot kommt an. Mitte Oktober startete beispielsweise Bonial auf rund 700 Screens von Shell eine Kampagne, auf der sie für die Local-Shopping-App „kaufDa“ warb. „Bonial hat für die Kampagne gezielt unsere Tankstellen-Screens ausgewählt, um einerseits nahe am Point of Sale den preissensiblen Kunden anzusprechen und andererseits durch dynamische Creatives unterschiedliche Angebote zielgerichtet und am relevanten Ort ausspielen zu können“, erklärt Paul Thümer, bei Framen Director of Sales DACH.

Neue Konkurrenz durch Start-ups

Bislang werben auf den Screens an Tankstellen viele Markenartikler, die den Verkauf ihrer Produkte vor Ort anschieben wollen. Mit der Aufwertung der Tankstellen könnte die Bedeutung für Werbungtreibende zunehmen, vor allem wenn in Großstädten tatsächlich Mobility-Hubs entstehen, die eher das Flair von Shopping-Malls mit angedockten Serviceeinrichtungen haben.

Ob es tatsächlich so kommt, ist noch unklar. Klar ist allerdings, dass auch die arrivierten Tankstellenmarken auf diesem Weg bereits jetzt Konkurrenz von Start-ups haben. In der Nähe von Nürnberg öffnete kürzlich die bk world: Die Supercharger aus dem Hause Tesla beziehen einen Großteil ihrer Energie über Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach. Es gibt reservierbare Officebereiche und Besprechungsräume und ein Angebot aus regionalen und nachhaltigen Lebensmitteln. Anmeldung und Kauf – alles läuft online ab, ohne Bargeld und ohne Personal. Die Zukunft der Tankstelle, hier hat sie womöglich schon begonnen.

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